Feuchtigkeit messen: Anleitung zur Feuchtemessung im Keller
Lernen Sie, wie Sie Feuchtigkeit im Keller richtig messen. Messgeräte, Methoden und Grenzwerte für eine professionelle Diagnose.
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Bevor Sie mit der Sanierung eines feuchten Kellers beginnen, müssen Sie das Ausmaß der Feuchtigkeit genau kennen. Eine professionelle Feuchtemessung ist der erste Schritt zur erfolgreichen Sanierung und hilft Ihnen, die richtige Methode zu wählen.
Warum ist Feuchtigkeit messen wichtig?
Eine präzise Feuchtemessung ist aus mehreren Gründen entscheidend:
- Ursachenforschung: Unterschiedliche Feuchtigkeitsquellen erfordern unterschiedliche Sanierungsmethoden
- Schadensermittlung: Das Ausmaß bestimmt den Sanierungsaufwand
- Erfolgskon trolle: Nach der Sanierung prüfen, ob die Maßnahmen wirken
- Dokumentation: Wichtig für Versicherungen und bei Mietstreitigkeiten
Tipp: Vor der Sanierung immer messen
Ohne genaue Messwerte riskieren Sie, die falsche Sanierungsmethode zu wählen. Eine Horizontalsperre hilft nicht gegen Kondensation, und ein Luftentfeuchter beseitigt keine aufsteigende Feuchtigkeit.
Messgeräte für die Feuchtemessung
1. Kapazitive Feuchtemessgeräte (Eindringtiefe: oberflächlich)
Diese Geräte messen über elektromagnetische Felder und sind ideal für schnelle Oberflächenmessungen:
- Funktionsweise: Messen die Dielektrizitätskonstante des Materials
- Vorteile: Zerstörungsfrei, schnelle Messungen, einfache Handhabung
- Nachteile: Nur Oberflächenfeuchtigkeit, Beeinflussung durch Salze
- Preis: 30-150 €
Geeignet für: Erste Orientierung, großflächige Scans, regelmäßige Kontrollen
2. Widerstandsmessgeräte (Eindringtiefe: 3-40 mm)
Diese Geräte arbeiten mit zwei Elektroden und messen den elektrischen Widerstand:
- Funktionsweise: Feuchtigkeit leitet Strom – je feuchter, desto geringer der Widerstand
- Vorteile: Tiefenmessung möglich, günstig, weit verbreitet
- Nachteile: Hinterlässt kleine Löcher, durch Salze beeinflussbar
- Preis: 20-100 €
Geeignet für: Holzfeuchte, Punktmessungen, Tiefenprofile erstellen
3. CM-Messung (Calciumcarbid-Methode)
Die genaueste Methode zur Bestimmung der Materialfeuchte:
- Funktionsweise: Chemische Reaktion mit Calciumcarbid erzeugt messbaren Druck
- Vorteile: Sehr genau, nicht durch Salze beeinflussbar
- Nachteile: Zerstört Probe, aufwändig, Einmalverwendung
- Preis: 50-150 € pro Messung (Probenahme erforderlich)
Geeignet für: Gutachten, genaue Bestimmung vor Beschichtungen, Estrichfeuchte
4. Hygrometer (Luftfeuchtigkeit)
Misst die relative Luftfeuchtigkeit im Raum:
- Funktionsweise: Kapazitive oder resistive Messung der Luftfeuchte
- Vorteile: Kontinuierliche Überwachung, einfach ablesbar
- Nachteile: Misst nur Luft, nicht Material
- Preis: 10-50 €
Geeignet für: Raumklima-Überwachung, Lüftungssteuerung
| Messgerät | Genauigkeit | Preis | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Kapazitiv | ± 1-3% | 30-150 € | Oberflächenscan |
| Widerstand | ± 1-2% | 20-100 € | Tiefenmessung |
| CM-Messung | ± 0,5% | 50-150 €/Messung | Gutachten |
| Hygrometer | ± 2-5% | 10-50 € | Raumklima |
Richtig messen: Schritt-für-Schritt
Vorbereitung
- Raumtemperatur notieren: Beeinflusst die Messergebnisse
- Messgerät kalibrieren: Nach Herstellerangaben
- Messpunkte festlegen: Systematisches Raster anlegen
- Dokumentation vorbereiten: Grundriss für Eintragungen
Messvorgang
Mehrere Messpunkte nehmen
Eine einzelne Messung reicht nicht aus! Messen Sie an mindestens 5-10 Punkten pro Wand in verschiedenen Höhen.
Messhöhen für aufsteigende Feuchtigkeit:
- 10 cm über Boden (kritische Zone)
- 30 cm über Boden
- 60 cm über Boden
- 100 cm über Boden (Referenz – sollte trocken sein)
Horizontale Messpunkte:
- Alle 50-100 cm entlang der Wand
- Besonders an Ecken und hinter Möbeln
- An Stellen mit sichtbaren Schäden
Messergebnisse dokumentieren
Erstellen Sie ein Feuchtigkeitsprofil:
- Zeichnen Sie die Messwerte in einen Grundriss ein
- Markieren Sie kritische Bereiche farbig (Rot = feucht, Grün = trocken)
- Notieren Sie Datum, Uhrzeit und Außentemperatur
- Fotografieren Sie Schadensstellen
Grenzwerte: Was ist noch normal?
Wandfeuchtigkeit (Mauerwerk)
| Zustand | Feuchtegehalt | Bewertung |
|---|---|---|
| Trocken | < 4% | Normal, keine Maßnahmen nötig |
| Leicht feucht | 4-8% | Beobachten, Lüftung optimieren |
| Feucht | 8-12% | Sanierung erforderlich |
| Stark feucht | > 12% | Dringender Handlungsbedarf |
Relative Luftfeuchtigkeit
| Bereich | Optimal | Kritisch |
|---|---|---|
| Wohnräume | 40-60% | > 70% |
| Keller | 50-65% | > 75% |
| Badezimmer | 50-70% | > 80% |
Taupunkt beachten
Nutzen Sie unseren Taupunkt-Rechner, um das Kondensationsrisiko zu berechnen. Liegt die Wandtemperatur nahe am Taupunkt, droht Schimmelbildung.
Messfehler vermeiden
Häufige Fehlerquellen
- Oberflächenfeuchtigkeit: Nach Regen oder Reinigung warten
- Salzkristalle: Verfälschen elektrische Messungen
- Metallische Einschlüsse: Armierung, Rohre erkennen und meiden
- Zu wenige Messpunkte: Feuchtenester können übersehen werden
- Falsche Kalibrierung: Gerät vor Messung prüfen
Wann zum Sachverständigen?
Ein Baugutachter oder Sachverständiger sollte hinzugezogen werden bei:
- Streitigkeiten mit Vermieter oder Verkäufer
- Versicherungsfällen
- Unklarer Schadensursache
- Komplexen Bauschäden
- Größeren Sanierungsvorhaben
Feuchtigkeitsursachen erkennen
Die Messergebnisse helfen, die Ursache der Feuchtigkeit zu identifizieren:
Aufsteigende Feuchtigkeit
- Typisches Muster: Feuchtigkeit nimmt von unten nach oben ab
- Höhe: Meist bis 80-120 cm über Boden
- Jahreszeitlich: Ganzjährig relativ konstant
- Lösung: Horizontalsperre
Kondensation
- Typisches Muster: Feuchtigkeit an kalten Oberflächen (Außenecken, Fensterlaibungen)
- Höhe: Überall möglich, oft oben in Raumecken
- Jahreszeitlich: Stärker im Winter
- Lösung: Lüftung, Dämmung, Heizen
Drückendes Wasser
- Typisches Muster: Feuchtigkeit von außen durch die Wand
- Höhe: Unterhalb Geländeoberkante
- Jahreszeitlich: Stärker bei Regen/Schneeschmelze
- Lösung: Außenabdichtung, Drainage
Leitungsschaden
- Typisches Muster: Punktuelle, oft kreisförmige Durchfeuchtung
- Höhe: Abhängig von Leitungsverlauf
- Jahreszeitlich: Plötzliches Auftreten
- Lösung: Leckageortung, Reparatur
Messprotokoll erstellen
Ein vollständiges Messprotokoll enthält:
- Objektdaten: Adresse, Baujahr, Konstruktion
- Messbedingungen: Datum, Uhrzeit, Temperatur, Wetter
- Messgerät: Typ, Hersteller, Kalibrierdatum
- Messwerte: Alle Einzelwerte mit Positionsangabe
- Grundriss: Mit eingezeichneten Messpunkten
- Fotos: Schadensstellen und Messaufbau
- Bewertung: Interpretation der Ergebnisse
- Empfehlung: Vorgeschlagene Maßnahmen
Vorlage nutzen
Laden Sie unsere kostenlose Vorlage für ein Feuchtigkeits-Messprotokoll herunter und dokumentieren Sie Ihre Messung professionell.
Nach der Messung: Nächste Schritte
Je nach Messergebnis empfehlen wir:
- Trocken (< 4%): Keine Maßnahmen, regelmäßig kontrollieren
- Leicht feucht (4-8%): Lüftungsverhalten optimieren, erneut messen
- Feucht (8-12%): Sanierung planen, Angebote einholen
- Stark feucht (> 12%): Sofortmaßnahmen, Sachverständigen hinzuziehen
Nutzen Sie unseren Sanierungskosten-Rechner, um die voraussichtlichen Kosten verschiedener Sanierungsmethoden zu vergleichen.
Fazit
Die professionelle Feuchtemessung ist der Grundstein jeder erfolgreichen Kellersanierung. Investieren Sie Zeit in eine gründliche Messung, bevor Sie mit der Sanierung beginnen. So vermeiden Sie Fehlentscheidungen und können die effektivste Sanierungsmethode wählen.
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Häufig gestellte Fragen
Autor
Redaktion
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