Feuchtigkeit messen: Anleitung zur Feuchtemessung im Keller

Lernen Sie, wie Sie Feuchtigkeit im Keller richtig messen. Messgeräte, Methoden und Grenzwerte für eine professionelle Diagnose.

Von Redaktion 10 Min. Lesezeit mittel

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Bevor Sie mit der Sanierung eines feuchten Kellers beginnen, müssen Sie das Ausmaß der Feuchtigkeit genau kennen. Eine professionelle Feuchtemessung ist der erste Schritt zur erfolgreichen Sanierung und hilft Ihnen, die richtige Methode zu wählen.

Warum ist Feuchtigkeit messen wichtig?

Eine präzise Feuchtemessung ist aus mehreren Gründen entscheidend:

  • Ursachenforschung: Unterschiedliche Feuchtigkeitsquellen erfordern unterschiedliche Sanierungsmethoden
  • Schadensermittlung: Das Ausmaß bestimmt den Sanierungsaufwand
  • Erfolgskon trolle: Nach der Sanierung prüfen, ob die Maßnahmen wirken
  • Dokumentation: Wichtig für Versicherungen und bei Mietstreitigkeiten

Messgeräte für die Feuchtemessung

1. Kapazitive Feuchtemessgeräte (Eindringtiefe: oberflächlich)

Diese Geräte messen über elektromagnetische Felder und sind ideal für schnelle Oberflächenmessungen:

  • Funktionsweise: Messen die Dielektrizitätskonstante des Materials
  • Vorteile: Zerstörungsfrei, schnelle Messungen, einfache Handhabung
  • Nachteile: Nur Oberflächenfeuchtigkeit, Beeinflussung durch Salze
  • Preis: 30-150 €

Geeignet für: Erste Orientierung, großflächige Scans, regelmäßige Kontrollen

2. Widerstandsmessgeräte (Eindringtiefe: 3-40 mm)

Diese Geräte arbeiten mit zwei Elektroden und messen den elektrischen Widerstand:

  • Funktionsweise: Feuchtigkeit leitet Strom – je feuchter, desto geringer der Widerstand
  • Vorteile: Tiefenmessung möglich, günstig, weit verbreitet
  • Nachteile: Hinterlässt kleine Löcher, durch Salze beeinflussbar
  • Preis: 20-100 €

Geeignet für: Holzfeuchte, Punktmessungen, Tiefenprofile erstellen

3. CM-Messung (Calciumcarbid-Methode)

Die genaueste Methode zur Bestimmung der Materialfeuchte:

  • Funktionsweise: Chemische Reaktion mit Calciumcarbid erzeugt messbaren Druck
  • Vorteile: Sehr genau, nicht durch Salze beeinflussbar
  • Nachteile: Zerstört Probe, aufwändig, Einmalverwendung
  • Preis: 50-150 € pro Messung (Probenahme erforderlich)

Geeignet für: Gutachten, genaue Bestimmung vor Beschichtungen, Estrichfeuchte

4. Hygrometer (Luftfeuchtigkeit)

Misst die relative Luftfeuchtigkeit im Raum:

  • Funktionsweise: Kapazitive oder resistive Messung der Luftfeuchte
  • Vorteile: Kontinuierliche Überwachung, einfach ablesbar
  • Nachteile: Misst nur Luft, nicht Material
  • Preis: 10-50 €

Geeignet für: Raumklima-Überwachung, Lüftungssteuerung

MessgerätGenauigkeitPreisAnwendung
Kapazitiv± 1-3%30-150 €Oberflächenscan
Widerstand± 1-2%20-100 €Tiefenmessung
CM-Messung± 0,5%50-150 €/MessungGutachten
Hygrometer± 2-5%10-50 €Raumklima

Richtig messen: Schritt-für-Schritt

Vorbereitung

  1. Raumtemperatur notieren: Beeinflusst die Messergebnisse
  2. Messgerät kalibrieren: Nach Herstellerangaben
  3. Messpunkte festlegen: Systematisches Raster anlegen
  4. Dokumentation vorbereiten: Grundriss für Eintragungen

Messvorgang

Messhöhen für aufsteigende Feuchtigkeit:

  • 10 cm über Boden (kritische Zone)
  • 30 cm über Boden
  • 60 cm über Boden
  • 100 cm über Boden (Referenz – sollte trocken sein)

Horizontale Messpunkte:

  • Alle 50-100 cm entlang der Wand
  • Besonders an Ecken und hinter Möbeln
  • An Stellen mit sichtbaren Schäden

Messergebnisse dokumentieren

Erstellen Sie ein Feuchtigkeitsprofil:

  1. Zeichnen Sie die Messwerte in einen Grundriss ein
  2. Markieren Sie kritische Bereiche farbig (Rot = feucht, Grün = trocken)
  3. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und Außentemperatur
  4. Fotografieren Sie Schadensstellen

Grenzwerte: Was ist noch normal?

Wandfeuchtigkeit (Mauerwerk)

ZustandFeuchtegehaltBewertung
Trocken< 4%Normal, keine Maßnahmen nötig
Leicht feucht4-8%Beobachten, Lüftung optimieren
Feucht8-12%Sanierung erforderlich
Stark feucht> 12%Dringender Handlungsbedarf

Relative Luftfeuchtigkeit

BereichOptimalKritisch
Wohnräume40-60%> 70%
Keller50-65%> 75%
Badezimmer50-70%> 80%

Messfehler vermeiden

Häufige Fehlerquellen

  1. Oberflächenfeuchtigkeit: Nach Regen oder Reinigung warten
  2. Salzkristalle: Verfälschen elektrische Messungen
  3. Metallische Einschlüsse: Armierung, Rohre erkennen und meiden
  4. Zu wenige Messpunkte: Feuchtenester können übersehen werden
  5. Falsche Kalibrierung: Gerät vor Messung prüfen

Wann zum Sachverständigen?

Ein Baugutachter oder Sachverständiger sollte hinzugezogen werden bei:

  • Streitigkeiten mit Vermieter oder Verkäufer
  • Versicherungsfällen
  • Unklarer Schadensursache
  • Komplexen Bauschäden
  • Größeren Sanierungsvorhaben

Feuchtigkeitsursachen erkennen

Die Messergebnisse helfen, die Ursache der Feuchtigkeit zu identifizieren:

Aufsteigende Feuchtigkeit

  • Typisches Muster: Feuchtigkeit nimmt von unten nach oben ab
  • Höhe: Meist bis 80-120 cm über Boden
  • Jahreszeitlich: Ganzjährig relativ konstant
  • Lösung: Horizontalsperre

Kondensation

  • Typisches Muster: Feuchtigkeit an kalten Oberflächen (Außenecken, Fensterlaibungen)
  • Höhe: Überall möglich, oft oben in Raumecken
  • Jahreszeitlich: Stärker im Winter
  • Lösung: Lüftung, Dämmung, Heizen

Drückendes Wasser

  • Typisches Muster: Feuchtigkeit von außen durch die Wand
  • Höhe: Unterhalb Geländeoberkante
  • Jahreszeitlich: Stärker bei Regen/Schneeschmelze
  • Lösung: Außenabdichtung, Drainage

Leitungsschaden

  • Typisches Muster: Punktuelle, oft kreisförmige Durchfeuchtung
  • Höhe: Abhängig von Leitungsverlauf
  • Jahreszeitlich: Plötzliches Auftreten
  • Lösung: Leckageortung, Reparatur

Messprotokoll erstellen

Ein vollständiges Messprotokoll enthält:

  1. Objektdaten: Adresse, Baujahr, Konstruktion
  2. Messbedingungen: Datum, Uhrzeit, Temperatur, Wetter
  3. Messgerät: Typ, Hersteller, Kalibrierdatum
  4. Messwerte: Alle Einzelwerte mit Positionsangabe
  5. Grundriss: Mit eingezeichneten Messpunkten
  6. Fotos: Schadensstellen und Messaufbau
  7. Bewertung: Interpretation der Ergebnisse
  8. Empfehlung: Vorgeschlagene Maßnahmen

Nach der Messung: Nächste Schritte

Je nach Messergebnis empfehlen wir:

  1. Trocken (< 4%): Keine Maßnahmen, regelmäßig kontrollieren
  2. Leicht feucht (4-8%): Lüftungsverhalten optimieren, erneut messen
  3. Feucht (8-12%): Sanierung planen, Angebote einholen
  4. Stark feucht (> 12%): Sofortmaßnahmen, Sachverständigen hinzuziehen

Nutzen Sie unseren Sanierungskosten-Rechner, um die voraussichtlichen Kosten verschiedener Sanierungsmethoden zu vergleichen.

Fazit

Die professionelle Feuchtemessung ist der Grundstein jeder erfolgreichen Kellersanierung. Investieren Sie Zeit in eine gründliche Messung, bevor Sie mit der Sanierung beginnen. So vermeiden Sie Fehlentscheidungen und können die effektivste Sanierungsmethode wählen.


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Häufig gestellte Fragen

Für den Hausgebrauch empfehlen wir ein kombiniertes Gerät mit kapazitiver und Widerstandsmessung (50-100 €). Damit können Sie sowohl Oberflächenscans als auch Tiefenmessungen durchführen.
Nach einer Sanierung sollten Sie monatlich messen, bis die Werte stabil sind. Danach reichen vierteljährliche Kontrollen. Bei sichtbaren Problemen oder nach starken Regenfällen zusätzlich messen.
Die relative Luftfeuchtigkeit (%) gibt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Wassermenge die Luft bei der aktuellen Temperatur enthält. Die absolute Luftfeuchtigkeit (g/m³) ist die tatsächliche Wassermenge pro Kubikmeter Luft.
Ja, für eine erste Orientierung reichen günstige Geräte (20-50 €). Für präzise Messungen und Dokumentation sollten Sie jedoch ein kalibriertes Gerät verwenden oder einen Sachverständigen beauftragen.
Sichtbare Anzeichen sind: Stockflecken, muffiger Geruch, abblätternde Farbe, Salzausblühungen und beschlagene Fenster. Messtechnisch gilt: Wandfeuchte über 8% und Luftfeuchtigkeit über 70% sind kritisch.

Autor

Redaktion

feuchte-keller-sanieren.de

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