Ist Schimmel gesundheitsschädlich? Symptome & Risiken

Wie gefährlich ist Schimmel für die Gesundheit? Erfahren Sie alles über Symptome, Risikogruppen und wann Sie handeln müssen.

Von Redaktion 12 Min. Lesezeit leicht

* Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Mehr erfahren

Schimmel in Wohnräumen ist mehr als ein ästhetisches Problem – er kann ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Beschwerden Schimmel verursachen kann, wer besonders gefährdet ist und wann Sie handeln müssen.

Ist Schimmel wirklich gefährlich?

Die kurze Antwort: Ja, Schimmel kann die Gesundheit beeinträchtigen – aber das Risiko hängt von mehreren Faktoren ab:

FaktorEinfluss auf Risiko
SchimmelartEinige Arten sind toxischer als andere
BefallsgrößeGroßflächiger Befall erhöht die Belastung
ExpositionsdauerLängerer Kontakt steigert das Risiko
Persönliche EmpfindlichkeitAllergiker und Immungeschwächte gefährdeter
RaumnutzungSchlafzimmer kritischer als Keller

Wie schadet Schimmel der Gesundheit?

Schimmelpilze können auf drei Wegen gesundheitlich schaden:

1. Allergische Reaktionen

Die häufigste Gesundheitswirkung sind allergische Reaktionen auf Schimmelsporen:

  • Auslöser: Sporen und Pilzfragmente in der Atemluft
  • Betroffene: Etwa 5-10% der Bevölkerung sind sensibilisiert
  • Reaktion: Immunsystem behandelt Sporen als Fremdkörper

2. Toxische Wirkungen

Einige Schimmelpilze bilden Mykotoxine (Schimmelpilzgifte):

  • Produktion: Unter bestimmten Wachstumsbedingungen
  • Aufnahme: Einatmen, Hautkontakt, selten Verschlucken
  • Wirkung: Reizung, selten systemische Effekte

3. Infektionen

In seltenen Fällen können Schimmelpilze Infektionen verursachen:

  • Betroffene: Fast ausschließlich Menschen mit geschwächtem Immunsystem
  • Erreger: Vor allem Aspergillus-Arten
  • Risiko: Für gesunde Menschen extrem gering

Typische Symptome bei Schimmelbelastung

Atemwegsbeschwerden

Die häufigsten Symptome betreffen die Atemwege:

SymptomBeschreibungHäufigkeit
HustenTrocken oder mit AuswurfSehr häufig
SchnupfenVerstopfte oder laufende NaseSehr häufig
NiesenHäufiges, wiederholtes NiesenHäufig
AtemnotKurzatmigkeit bei BelastungBei Allergikern
Asthma-VerschlechterungAnfallshäufungBei Asthmatikern

Augen- und Hautreaktionen

  • Augenjucken: Gerötete, tränende Augen
  • Augenreizung: Brennen und Fremdkörpergefühl
  • Hautausschlag: Bei direktem Kontakt
  • Juckreiz: Besonders bei Allergikern

Allgemeine Beschwerden

Bei längerer Exposition können auftreten:

  • Kopfschmerzen: Besonders in belasteten Räumen
  • Müdigkeit: Chronische Erschöpfung
  • Konzentrationsstörungen: Besonders bei Kindern beobachtet
  • Unwohlsein: Allgemeines Krankheitsgefühl

Welche Schimmelarten sind besonders gefährlich?

Schwarzer Schimmel (Stachybotrys chartarum)

  • Gefährlichkeit: Hoch – bildet starke Mykotoxine
  • Vorkommen: Papier, Karton, Gipskarton
  • Besonderheit: Benötigt dauerhaft hohe Feuchtigkeit
  • Erkennung: Tiefschwarze, oft schleimige Oberfläche

Aspergillus-Arten

  • Gefährlichkeit: Mittel bis hoch
  • Vorkommen: Nahrungsmittel, feuchte Wände, Blumenerde
  • Besonderheit: Kann Lungeninfektionen verursachen
  • Erkennung: Grün, schwarz oder gelb, pelzige Textur

Penicillium-Arten

  • Gefährlichkeit: Mittel
  • Vorkommen: Tapeten, Dämmmaterial, Lebensmittel
  • Besonderheit: Starker modriger Geruch
  • Erkennung: Blaugrün, typischer “Schimmelgeruch”

Cladosporium

  • Gefährlichkeit: Gering bis mittel
  • Vorkommen: Außenbereiche, Fensterrahmen
  • Besonderheit: Häufigster Schimmel überhaupt
  • Erkennung: Olivgrün bis braun, samtig

Wer ist besonders gefährdet?

Risikogruppen

GruppeRisikoGrund
KleinkinderErhöhtUnreifes Immunsystem, bodennah
Ältere MenschenErhöhtGeschwächte Abwehr
AllergikerHochSensibilisiertes Immunsystem
AsthmatikerHochEmpfindliche Atemwege
ImmungeschwächteSehr hochFehlende Abwehrmechanismen
SchwangereErhöhtVorsorge für Kind

Besondere Gefährdungssituationen

  • Schlafzimmer mit Schimmel: 8 Stunden Exposition täglich
  • Kinderzimmer: Spielen am Boden erhöht Kontakt
  • Arbeitsplatz mit Befall: Chronische Belastung
  • Versteckter Schimmel: Unsichtbare, aber hohe Sporenbelastung

Ab welcher Menge wird Schimmel gefährlich?

Es gibt keine allgemein gültige “sichere Grenze” für Schimmelsporen. Jedoch gelten folgende Richtwerte:

Orientierungswerte für Innenräume

SporenkonzentrationBewertung
Unter AußenluftNormal, unbedenklich
Gleich AußenluftUnauffällig
Leicht erhöhtQuelle suchen
Deutlich erhöhtSanierungsbedarf
Stark erhöhtSofortiger Handlungsbedarf

Sichtbarer Befall als Maßstab

FlächeEinschätzungEmpfehlung
< 0,5 m²KleinSelbst entfernen möglich
0,5-1 m²MittelUrsache prüfen, ggf. Fachmann
> 1 m²GroßFachmann empfohlen
> 2 m²Sehr großFachmann zwingend

Was tun bei Verdacht auf Schimmelbelastung?

Sofortmaßnahmen

  1. Lüften: Betroffene Räume gut durchlüften
  2. Abstand halten: Kontakt mit sichtbarem Schimmel vermeiden
  3. Dokumentieren: Fotos vom Befall machen
  4. Ursache suchen: Feuchtigkeitsquelle identifizieren

Medizinische Abklärung

Bei anhaltenden Beschwerden:

  1. Hausarzt aufsuchen: Symptome schildern, Schimmelverdacht äußern
  2. Allergietest: Bei Verdacht auf Schimmelpilzallergie
  3. Lungenfunktionstest: Bei Atemwegsbeschwerden
  4. Umweltmedizinische Beratung: Bei komplexen Fällen

Schimmelentfernung

Wichtige Schritte zur Sanierung:

  1. Ursache beheben: Feuchtigkeit stoppen
  2. Schimmelart identifizieren: Art und Umfang feststellen
  3. Fachgerecht entfernen: Mit Schutzausrüstung oder durch Fachbetrieb
  4. Nachkontrolle: Erfolg der Sanierung prüfen

Schimmel im Keller vs. Wohnraum

Keller-Schimmel

  • Kontaktzeit: Begrenzt (Aufenthalt meist kurz)
  • Belüftung: Oft getrennt von Wohnräumen
  • Risiko: Geringer bei seltener Nutzung
  • Aber: Sporen können in Wohnbereiche gelangen

Wohnraum-Schimmel

  • Kontaktzeit: Lang (Schlaf, Arbeit, Freizeit)
  • Belüftung: Direkter Kontakt mit Atemluft
  • Risiko: Höher durch dauerhafte Exposition
  • Priorität: Sofortige Sanierung erforderlich

Vorbeugung: Schimmel gar nicht erst entstehen lassen

Richtig lüften

  • Stoßlüften: 3-4x täglich für 5-10 Minuten
  • Querlüften: Durchzug erzeugen
  • Nach Duschen/Kochen: Sofort lüften
  • Winter: Kurz, aber intensiv

Feuchtigkeit kontrollieren

  • Relative Luftfeuchte: Unter 60% halten
  • Hygrometer nutzen: Regelmäßig kontrollieren
  • Taupunkt beachten: Kondensation vermeiden
  • Wäsche: Nicht in Wohnräumen trocknen

Bauliche Maßnahmen

  • Wärmebrücken beseitigen: Außenwände dämmen
  • Abdichtung prüfen: Horizontalsperre nachrüsten
  • Möbel abrücken: Mindestens 5-10 cm Wandabstand

Mythen und Fakten

Mythos 1: “Schimmel ist immer gefährlich”

Fakt: Die Gefährlichkeit hängt von Art, Menge und persönlicher Empfindlichkeit ab. Kleine Schimmelflecken im Bad sind weniger kritisch als großflächiger Befall im Schlafzimmer.

Mythos 2: “Schimmel riecht man immer”

Fakt: Nicht alle Schimmelarten haben einen wahrnehmbaren Geruch. Versteckter Schimmel hinter Verkleidungen kann unsichtbar und geruchlos sein.

Mythos 3: “Überstreichen tötet Schimmel”

Fakt: Farbe überdeckt den Schimmel nur optisch. Ohne Entfernung und Ursachenbeseitigung wächst er weiter.

Mythos 4: “Anti-Schimmel-Farbe verhindert Neubefall”

Fakt: Diese Farben können das Wachstum verzögern, aber nicht die Ursache beheben. Ohne Feuchtigkeitskontrolle kommt der Schimmel zurück.

Häufig gestellte Fragen

Wenn Sie typische Symptome wie Husten, Schnupfen, Atemnot oder Hautreizungen haben, die sich bessern, wenn Sie sich außerhalb der Wohnung aufhalten. Bei Risikogruppen sollte schon bei kleinem Befall ein Arzt konsultiert werden.
Für eine erste Orientierung gibt es Schnelltests aus dem Baumarkt. Für eine zuverlässige Analyse der Sporenbelastung und Schimmelart ist jedoch eine Laboruntersuchung empfehlenswert.
Schwarzer Schimmel (Stachybotrys chartarum) kann starke Mykotoxine bilden und gilt als besonders problematisch. Allerdings ist nicht jeder schwarze Belag Stachybotrys - eine genaue Bestimmung ist wichtig.
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Allergiker können sofort reagieren, während andere erst nach Wochen oder Monaten Beschwerden entwickeln. Bei hoher Sporenbelastung können Symptome schnell auftreten.
Bei kleinem, lokalem Befall ist das meist möglich. Bei großflächigem Befall (über 2 m²) in Wohn- oder Schlafräumen sollten Sie - besonders als Risikogruppe - vorübergehend woanders wohnen, bis die Sanierung abgeschlossen ist.

Fazit: Schimmel ernst nehmen, aber nicht panisch werden

Schimmel ist ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko, aber kein Grund zur Panik:

Handeln Sie bei:

  • Sichtbarem Schimmel größer als 0,5 m²
  • Typischen Symptomen bei Bewohnern
  • Risikogruppen im Haushalt
  • Modrigem Geruch ohne sichtbare Quelle

Priorität hat:

  1. Ursache der Feuchtigkeit beheben
  2. Schimmel fachgerecht entfernen
  3. Raumklima dauerhaft kontrollieren

Mit den richtigen Maßnahmen können Sie Ihre Wohnräume schimmelfrei halten und Gesundheitsrisiken minimieren. Beginnen Sie mit der Diagnose und entwickeln Sie dann eine passende Sanierungsstrategie.

Autor

Redaktion

feuchte-keller-sanieren.de

Fundierte Ratgeber zu Kellersanierung und Bautrocknung.

Weiterlesen