Horizontalsperre selber machen: DIY-Anleitung für Heimwerker

Schritt-für-Schritt Anleitung zum Einbau einer Horizontalsperre per Injektionsverfahren. Mit Materialliste, Tipps und Kostenersparnis.

Von Redaktion 12 Min. Lesezeit mittel

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Eine Horizontalsperre verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem Erdreich kapillar in die Mauern aufsteigt. Mit dem Injektionsverfahren können Sie diese Sperre selbst einbauen und dabei erheblich Kosten sparen. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie es geht.

Wann ist eine Horizontalsperre sinnvoll?

Eine nachträgliche Horizontalsperre ist die richtige Lösung bei aufsteigender Feuchtigkeit. Typische Anzeichen:

  • Feuchtigkeit beginnt am Boden und steigt nach oben
  • Salzausblühungen an der Wand (weiße Kristalle)
  • Abbröckelnder Putz im unteren Wandbereich
  • Dunkle Verfärbungen, die sich nach oben ausbreiten

Materialliste

Benötigte Materialien

MaterialMenge pro lfmKosten
Injektionscreme/Gel1-1,5 Liter15-25€
Injektionskartuschen1-2 Stück5-10€
Packer/Injektionsventile5-8 Stück5-10€
Gesamt25-45€/lfm

Benötigtes Werkzeug

  • Schlagbohrmaschine mit Steinbohrer (12-14 mm)
  • Handpumpe oder Kartuschenpistole
  • Wasserwaage
  • Maßband
  • Staubsauger oder Blasebalg
  • Schutzbrille und Handschuhe
  • Kreide oder Marker zum Anzeichnen

Schritt-für-Schritt Anleitung

Schritt 1: Vorbereitung (30 Minuten)

  1. Wand freilegen: Entfernen Sie Putz im Bereich der geplanten Bohrlöcher (ca. 20 cm über Bodenniveau)
  2. Fugen lokalisieren: Die Bohrlöcher sollten idealerweise in den Mörtelfugen liegen
  3. Bohrreihe anzeichnen: Markieren Sie die Bohrlöcher im Abstand von 10-12 cm
  4. Neigung beachten: Bohrlöcher leicht nach unten geneigt (ca. 30-45°)

Schritt 2: Bohren (1-2 Stunden je nach Wandlänge)

  1. Bohrlöcher setzen: Durchmesser 12-14 mm, Tiefe = Wandstärke minus 5 cm
  2. Alternierend bohren: Bei dicken Wänden von beiden Seiten bohren
  3. Bohrlöcher reinigen: Mit Staubsauger oder Blasebalg Bohrstaub entfernen
  4. Kontrolle: Alle Löcher auf gleiche Tiefe prüfen

Bohrtiefe-Richtwerte:

WandstärkeBohrtiefeAnmerkung
24 cm19 cmVon einer Seite
36 cm31 cmVon einer Seite
48 cm21-22 cmVon beiden Seiten

Schritt 3: Packer einsetzen (15 Minuten)

  1. Packer einführen: Injektionsventile in die Bohrlöcher stecken
  2. Festziehen: Mit Schraubenschlüssel leicht anziehen (nicht zu fest!)
  3. Dichtheit prüfen: Packer muss fest sitzen

Schritt 4: Injizieren (1-2 Stunden)

  1. Injektionscreme vorbereiten: Kartusche in Pistole einsetzen
  2. Anschließen: Pistole an Packer anschließen
  3. Langsam injizieren: Material gleichmäßig einpressen
  4. Sättigung erkennen: Wenn Material am Nachbarloch austritt, ist die Wand gesättigt
  5. Nachfüllen: Nach 24 Stunden ggf. nachinjizieren

Schritt 5: Nacharbeiten (am nächsten Tag)

  1. Packer entfernen: Nach 24 Stunden Aushärtezeit
  2. Löcher verschließen: Mit Reparaturmörtel verfüllen
  3. Trocknung abwarten: 4-8 Wochen für vollständige Wirkung
  4. Sanierputz: Nach Trocknung diffusionsoffenen Putz auftragen

Tipps für ein gutes Ergebnis

Optimale Bedingungen

  • Temperatur: Mindestens 5°C, ideal 15-25°C
  • Jahreszeit: Frühjahr bis Herbst
  • Wetter: Nicht bei Frost oder extremer Hitze

Häufige Fehler vermeiden

  1. Zu wenig Material: Lieber 20% mehr einkalkulieren
  2. Zu schnelles Injizieren: Das Material muss Zeit haben einzuziehen
  3. Falsche Bohrtiefe: Bei zu flachen Löchern bleibt die Kapillarbrücke bestehen
  4. Keine Reinigung: Bohrstaub verhindert gute Durchdringung

Qualitätskontrolle

  • Feuchtemessung vorher/nachher: Dokumentieren Sie den Ausgangszustand
  • Warten: Die volle Wirkung zeigt sich erst nach 4-8 Wochen
  • Beobachten: Salzausblühungen können zunächst zunehmen (ist normal)

Kosten und Ersparnis

DIY-Kosten

PositionKosten
Material (20 lfm)500-900€
Werkzeug (falls nötig)50-100€
Gesamt DIY550-1.000€

Fachbetrieb-Kosten

PositionKosten
Material + Arbeit (20 lfm)1.600-4.000€
Ersparnis durch DIY1.000-3.000€

Das entspricht einer Ersparnis von 60-75% gegenüber einer Fachfirma.

Nach der Injektion: Trocknung

Nach dem Einbringen der Horizontalsperre muss die vorhandene Feuchtigkeit aus der Wand entweichen. Dies kann mehrere Wochen dauern.

Trocknungsbeschleunigung

  1. Bautrockner aufstellen: Beschleunigt die Trocknung erheblich
  2. Richtig lüften: Regelmäßig stoßlüften
  3. Heizen: Moderate Raumtemperatur (18-20°C)

Berechnen Sie die Stromkosten für einen Bautrockner mit unserem Stromkosten-Rechner.

Wann ist die Wand trocken?

  • Feuchtemessung: < 2% Restfeuchte (CM-Messung)
  • Optisch: Keine neuen Flecken mehr
  • Salzausblühungen: Nehmen ab und verschwinden

Wann doch zum Fachmann?

Beauftragen Sie einen Fachbetrieb bei:

  • Dicke Wände (> 50 cm): Schwer von einer Seite zu durchdringen
  • Bruchsteinmauerwerk: Unregelmäßige Struktur erschwert Injektion
  • Unsichere Ursache: Erst diagnostizieren, dann sanieren
  • Statische Bedenken: Bei Rissen oder Setzungen
  • Denkmalschutz: Oft sind spezielle Verfahren vorgeschrieben

Produkte für die DIY-Horizontalsperre

Für das Injektionsverfahren empfehlen wir silikonbasierte oder silanhältige Cremes. Diese haben die beste Kapillarwirkung und sind einfach zu verarbeiten.

Beliebte Produkte:

  • Remmers Kiesol C (Profi-Qualität)
  • Bostik ISP Injektionscreme
  • Schomburg AQUAFIN-i380

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Häufig gestellte Fragen

Ja, das Injektionsverfahren ist für geübte Heimwerker gut machbar. Sie benötigen eine Schlagbohrmaschine, das richtige Material und etwas Geduld. Bei Unsicherheit empfehlen wir, zunächst an einer kleinen Stelle zu üben.
Bei korrekter Ausführung hält eine Horizontalsperre per Injektionsverfahren 20-30 Jahre oder länger. Wichtig ist die richtige Materialwahl und sorgfältige Verarbeitung.
Rechnen Sie mit etwa 1-1,5 Litern Injektionscreme pro laufenden Meter bei einer 24 cm dicken Wand. Bei dickeren Wänden entsprechend mehr. Bestellen Sie lieber 20% mehr als zu wenig.
Die Horizontalsperre wirkt sofort, aber die Wand muss erst trocknen. Nach 4-8 Wochen sollten Sie eine deutliche Verbesserung sehen. Salzausblühungen können zunächst noch zunehmen, nehmen dann aber ab.
Material für DIY kostet etwa 30-50€ pro laufenden Meter. Ein Fachbetrieb berechnet 80-200€ pro laufenden Meter. Sie sparen also 60-75% der Kosten durch Eigenleistung.

Autor

Redaktion

feuchte-keller-sanieren.de

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