Sanierputz auftragen: Verarbeitung und häufige Fehler
Anleitung zum Auftragen von Sanierputz: Vorbereitung, Schritt-für-Schritt-Anleitung, häufige Fehler vermeiden und Produktempfehlungen für feuchte Kellerwände.
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Sanierputz ist eine spezielle Lösung für salzbelastete und feuchte Wände. Er nimmt Salze auf und ermöglicht eine kontrollierte Verdunstung, ohne dass Schäden am Putz entstehen. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen, wie Sie Sanierputz richtig verarbeiten.
Was ist Sanierputz und wann brauche ich ihn?
Sanierputz unterscheidet sich grundlegend von normalem Putz:
| Eigenschaft | Normalputz | Sanierputz |
|---|---|---|
| Porenstruktur | Dicht | Hochporös (> 40% Porenanteil) |
| Salzresistenz | Gering | Hoch (Salzspeicher) |
| Wasserdampf | Diffusionsoffen | Sehr diffusionsoffen |
| Anwendung | Trockene Wände | Feuchte, salzbelastete Wände |
| Preis/m² | 2-5 EUR | 15-35 EUR |
Wann ist Sanierputz sinnvoll?
- Salzausblühungen: Weiße Kristalle an der Wandoberfläche
- Wiederkehrende Feuchteflecken: Trotz vermeintlicher Trocknung
- Abplatzender Altputz: Durch Salzkristallisation
- Nach Horizontalsperre: Als Abschluss der Sanierung
- Historische Gebäude: Bei aufsteigender Feuchtigkeit
Wichtig: Erst Ursache beheben
Sanierputz beseitigt nicht die Feuchtigkeitsursache! Er ist nur ein Teil der Sanierung. Vor dem Verputzen muss die Ursache der Feuchtigkeit gefunden und behoben werden.
Sanierputz-Systeme im Überblick
Ein vollständiges Sanierputzsystem besteht aus mehreren Schichten:
1. Spritzbewurf (Vorspritzmörtel)
- Funktion: Haftvermittlung zwischen Untergrund und Putz
- Auftrag: Dünn anwerfen, nicht glätten
- Trockenzeit: Min. 24 Stunden
2. Porengrundputz (Ausgleichsputz)
- Funktion: Unebenheiten ausgleichen, erste Salzbarriere
- Schichtdicke: 10-15 mm
- Optional: Bei stark unebenem Untergrund
3. Sanierputz (Oberputz)
- Funktion: Salzspeicherung und Verdunstung
- Schichtdicke: Mindestens 20 mm (besser 25-30 mm)
- Verarbeitung: In ein oder zwei Lagen
4. Schlussanstrich (optional)
- Funktion: Optischer Abschluss
- Wichtig: Nur diffusionsoffene Farben verwenden!
Vorbereitung: Der Untergrund entscheidet
Altputz entfernen
Entfernen Sie den Altputz vollständig bis auf das Mauerwerk:
- Abklopfen: Mit Hammer und Meißel lockeren Putz abschlagen
- Mindesthöhe: 80 cm über der sichtbaren Feuchtigkeitsgrenze
- Fugen auskratzen: 2 cm tief für bessere Haftung
- Säubern: Staub und lose Teile mit Besen entfernen
Altputz-Test
Schlagen Sie mit dem Hammer gegen den Putz. Klingt es hohl oder bröselt der Putz, muss er entfernt werden. Nur tragfähiger Altputz kann bleiben.
Untergrund prüfen
Der Untergrund muss sein:
- Tragfähig: Kein loser Mörtel, keine Hohlstellen
- Sauber: Frei von Staub, Öl, Farbresten
- Feucht, nicht nass: Leicht vornässen, kein stehendes Wasser
- Salzarm: Bei starker Salzbelastung erst trocknen lassen
Werkzeuge und Material
Werkzeuge:
- Maurerkelle und Glättekelle
- Reibebrett (Holz oder Kunststoff)
- Wasserwaage und Richtlatte
- Quast zum Vornässen
- Eimer und Rührwerk
Material pro m² (ca.):
- Spritzbewurf: 2-3 kg
- Sanierputz: 25-30 kg (bei 20 mm Dicke)
- Saniervlies: Optional bei sehr salzbelastetem Mauerwerk
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Spritzbewurf aufbringen
Der Spritzbewurf schafft die Verbindung zum Untergrund:
- Mischen: Nach Herstellerangaben, ergibt dickflüssige Masse
- Vornässen: Untergrund mit Wasser anfeuchten (nicht triefend nass)
- Anwerfen: Mit Kelle in dünner Schicht aufwerfen
- Deckung: Ca. 50% der Fläche bedecken (nicht vollflächig!)
- Trocknen: Mindestens 24 Stunden, besser 2-3 Tage
Schritt 2: Sanierputz anmischen
Richtiges Anmischen ist entscheidend:
- Wasser vorlegen: Sauberes Wasser in den Kübel
- Pulver einrühren: Langsam einstreuen, dabei rühren
- Konsistenz: Ergibt steife, gut formbare Masse
- Ruhezeit: 5 Minuten stehen lassen
- Nachrühren: Kurz durchrühren, fertig
Kein Wasser nachgießen!
Wurde der Putz zu steif angemischt, entsorgen Sie ihn. Nachträgliches Wasserzugeben zerstört die Porenstruktur und macht den Sanierputz unwirksam.
Schritt 3: Erste Putzlage auftragen
Die erste Lage schafft die Basis:
- Auftragen: Mit Kelle in 10-15 mm Dicke aufziehen
- Von unten nach oben: Beginnen Sie am Boden
- Nicht glätten: Oberfläche bewusst rau lassen
- Dicke prüfen: Mit Zollstock kontrollieren
- Trocknen: Mindestens 1 Tag pro mm Schichtdicke
Schritt 4: Zweite Putzlage (falls nötig)
Bei Schichtdicken über 15 mm empfiehlt sich eine zweite Lage:
- Erste Lage anfeuchten: Leicht mit Wasser besprühen
- Auftragen: Weitere 10-15 mm aufziehen
- Gesamtdicke: Mindestens 20 mm, ideal 25-30 mm
- Abziehen: Mit Richtlatte gleichmäßig abziehen
Schritt 5: Oberflächenbearbeitung
Je nach gewünschter Optik:
- Glattputz: Mit Schwammbrett oder Filz abreiben
- Reibeputz: Mit Reibebrett kreisend strukturieren
- Kellenstrich: Für rustikale Optik
Schritt 6: Nachbehandlung
Die Aushärtung braucht Zeit und Pflege:
- Feucht halten: Erste Tage vor schnellem Austrocknen schützen
- Nicht heizen: Keine direkte Wärmequelle
- Lüften: Für gute Durchlüftung sorgen
- Wartezeit: Mindestens 14 Tage vor dem Streichen
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu dünne Schichtdicke
Problem: Unter 20 mm reicht die Salzaufnahmekapazität nicht aus.
Lösung: Immer mindestens 20 mm Gesamtdicke aufbringen.
Fehler 2: Falsches Anmischen
Problem: Zu viel Wasser zerstört die Porenstruktur.
Lösung: Exakt nach Herstellerangaben anmischen, im Zweifel etwas weniger Wasser.
Fehler 3: Untergrund nicht vorbereitet
Problem: Putz haftet nicht oder platzt ab.
Lösung: Altputz komplett entfernen, Untergrund gründlich reinigen.
Fehler 4: Diffusionsdichte Beschichtung
Problem: Farbe oder Tapete blockiert die Verdunstung.
Lösung: Nur Silikatfarbe oder Kalkfarbe verwenden, keine Dispersionsfarbe!
Fehler 5: Ursache nicht behoben
Problem: Feuchtigkeit dringt weiter ein, Sanierputz versagt.
Lösung: Erst Horizontalsperre einbauen oder Außenabdichtung herstellen.
Profi-Tipp: Putzleisten verwenden
Für gleichmäßige Schichtdicken setzen Sie Putzleisten im Abstand von max. 1,5 m. So können Sie den Putz exakt abziehen.
Welcher Sanierputz ist der richtige?
Nach WTA-Merkblatt
Das WTA-Merkblatt 2-9 definiert Qualitätsstandards:
| Kategorie | Beschreibung | Anwendung |
|---|---|---|
| WTA | Erfüllt alle Prüfkriterien | Standard-Sanierung |
| WTA-H | Hydrophobiert | Spritzwasserbereich |
| WTA-S | Für Sulfatbelastung | Gipshaltige Salze |
Produktempfehlungen
Für DIY-Anwender:
- Einfache Verarbeitung
- Lange Verarbeitungszeit
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Für starke Salzbelastung:
- WTA-zertifiziert
- Hohe Porosität
- Spezielle Sulfatbeständigkeit
Kosten und Zeitaufwand
Materialkosten pro m²
| Material | Menge | Kosten |
|---|---|---|
| Spritzbewurf | 3 kg | 3-5 EUR |
| Sanierputz | 28 kg | 20-35 EUR |
| Silikatfarbe | 0,3 l | 3-5 EUR |
| Gesamt | - | 26-45 EUR/m² |
Zeitaufwand
| Arbeitsschritt | Zeit pro m² | Wartezeit |
|---|---|---|
| Altputz entfernen | 30-60 min | - |
| Spritzbewurf | 10 min | 1-3 Tage |
| Sanierputz 1. Lage | 20 min | 1-2 Wochen |
| Sanierputz 2. Lage | 20 min | 1-2 Wochen |
| Streichen | 10 min | - |
Vergleich: Selbst vs. Fachbetrieb
| Variante | Kosten/m² | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| DIY | 30-50 EUR | Günstig, flexibel | Zeitaufwand, Risiko |
| Fachbetrieb | 80-150 EUR | Garantie, schnell | Höhere Kosten |
Nutzen Sie unseren Sanierungskosten-Rechner, um die Gesamtkosten für Ihr Projekt zu berechnen.
Nach dem Verputzen
Trocknungszeit beachten
- Vor dem Streichen: Mindestens 14 Tage, besser 4 Wochen
- Restfeuchte prüfen: CM-Messung oder Folientest
- Lüften: Täglich stoßlüften für optimale Trocknung
Richtig streichen
Nur diffusionsoffene Anstriche verwenden:
Geeignet:
- Silikatfarbe (Mineralfarbe)
- Kalkfarbe
- Silikonharzfarbe
Ungeeignet:
- Dispersionsfarbe
- Latexfarbe
- Lackfarben
Häufig gestellte Fragen
Fazit: Sanierputz richtig anwenden
Sanierputz ist eine bewährte Lösung für feuchte, salzbelastete Kellerwände - aber nur als Teil einer Gesamtsanierung:
- Ursache beheben: Erst Feuchtigkeit stoppen
- Untergrund vorbereiten: Altputz komplett entfernen
- Richtig verarbeiten: Mindestens 20 mm, in Lagen auftragen
- Diffusionsoffen streichen: Nur Silikat- oder Kalkfarbe
Mit der richtigen Vorbereitung und sorgfältiger Verarbeitung können Sie Sanierputz auch als Heimwerker erfolgreich auftragen. Bei Unsicherheiten oder großen Flächen lohnt sich jedoch die Beratung durch einen Fachbetrieb.
Autor
Redaktion
feuchte-keller-sanieren.de
Fundierte Ratgeber zu Kellersanierung und Bautrocknung.
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