Sanierputz auftragen: Verarbeitung und häufige Fehler

Anleitung zum Auftragen von Sanierputz: Vorbereitung, Schritt-für-Schritt-Anleitung, häufige Fehler vermeiden und Produktempfehlungen für feuchte Kellerwände.

Von Redaktion 14 Min. Lesezeit mittel

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Sanierputz ist eine spezielle Lösung für salzbelastete und feuchte Wände. Er nimmt Salze auf und ermöglicht eine kontrollierte Verdunstung, ohne dass Schäden am Putz entstehen. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen, wie Sie Sanierputz richtig verarbeiten.

Was ist Sanierputz und wann brauche ich ihn?

Sanierputz unterscheidet sich grundlegend von normalem Putz:

EigenschaftNormalputzSanierputz
PorenstrukturDichtHochporös (> 40% Porenanteil)
SalzresistenzGeringHoch (Salzspeicher)
WasserdampfDiffusionsoffenSehr diffusionsoffen
AnwendungTrockene WändeFeuchte, salzbelastete Wände
Preis/m²2-5 EUR15-35 EUR

Wann ist Sanierputz sinnvoll?

  • Salzausblühungen: Weiße Kristalle an der Wandoberfläche
  • Wiederkehrende Feuchteflecken: Trotz vermeintlicher Trocknung
  • Abplatzender Altputz: Durch Salzkristallisation
  • Nach Horizontalsperre: Als Abschluss der Sanierung
  • Historische Gebäude: Bei aufsteigender Feuchtigkeit

Sanierputz-Systeme im Überblick

Ein vollständiges Sanierputzsystem besteht aus mehreren Schichten:

1. Spritzbewurf (Vorspritzmörtel)

  • Funktion: Haftvermittlung zwischen Untergrund und Putz
  • Auftrag: Dünn anwerfen, nicht glätten
  • Trockenzeit: Min. 24 Stunden

2. Porengrundputz (Ausgleichsputz)

  • Funktion: Unebenheiten ausgleichen, erste Salzbarriere
  • Schichtdicke: 10-15 mm
  • Optional: Bei stark unebenem Untergrund

3. Sanierputz (Oberputz)

  • Funktion: Salzspeicherung und Verdunstung
  • Schichtdicke: Mindestens 20 mm (besser 25-30 mm)
  • Verarbeitung: In ein oder zwei Lagen

4. Schlussanstrich (optional)

  • Funktion: Optischer Abschluss
  • Wichtig: Nur diffusionsoffene Farben verwenden!

Vorbereitung: Der Untergrund entscheidet

Altputz entfernen

Entfernen Sie den Altputz vollständig bis auf das Mauerwerk:

  1. Abklopfen: Mit Hammer und Meißel lockeren Putz abschlagen
  2. Mindesthöhe: 80 cm über der sichtbaren Feuchtigkeitsgrenze
  3. Fugen auskratzen: 2 cm tief für bessere Haftung
  4. Säubern: Staub und lose Teile mit Besen entfernen

Untergrund prüfen

Der Untergrund muss sein:

  • Tragfähig: Kein loser Mörtel, keine Hohlstellen
  • Sauber: Frei von Staub, Öl, Farbresten
  • Feucht, nicht nass: Leicht vornässen, kein stehendes Wasser
  • Salzarm: Bei starker Salzbelastung erst trocknen lassen

Werkzeuge und Material

Werkzeuge:

  • Maurerkelle und Glättekelle
  • Reibebrett (Holz oder Kunststoff)
  • Wasserwaage und Richtlatte
  • Quast zum Vornässen
  • Eimer und Rührwerk

Material pro m² (ca.):

  • Spritzbewurf: 2-3 kg
  • Sanierputz: 25-30 kg (bei 20 mm Dicke)
  • Saniervlies: Optional bei sehr salzbelastetem Mauerwerk

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Spritzbewurf aufbringen

Der Spritzbewurf schafft die Verbindung zum Untergrund:

  1. Mischen: Nach Herstellerangaben, ergibt dickflüssige Masse
  2. Vornässen: Untergrund mit Wasser anfeuchten (nicht triefend nass)
  3. Anwerfen: Mit Kelle in dünner Schicht aufwerfen
  4. Deckung: Ca. 50% der Fläche bedecken (nicht vollflächig!)
  5. Trocknen: Mindestens 24 Stunden, besser 2-3 Tage

Schritt 2: Sanierputz anmischen

Richtiges Anmischen ist entscheidend:

  1. Wasser vorlegen: Sauberes Wasser in den Kübel
  2. Pulver einrühren: Langsam einstreuen, dabei rühren
  3. Konsistenz: Ergibt steife, gut formbare Masse
  4. Ruhezeit: 5 Minuten stehen lassen
  5. Nachrühren: Kurz durchrühren, fertig

Schritt 3: Erste Putzlage auftragen

Die erste Lage schafft die Basis:

  1. Auftragen: Mit Kelle in 10-15 mm Dicke aufziehen
  2. Von unten nach oben: Beginnen Sie am Boden
  3. Nicht glätten: Oberfläche bewusst rau lassen
  4. Dicke prüfen: Mit Zollstock kontrollieren
  5. Trocknen: Mindestens 1 Tag pro mm Schichtdicke

Schritt 4: Zweite Putzlage (falls nötig)

Bei Schichtdicken über 15 mm empfiehlt sich eine zweite Lage:

  1. Erste Lage anfeuchten: Leicht mit Wasser besprühen
  2. Auftragen: Weitere 10-15 mm aufziehen
  3. Gesamtdicke: Mindestens 20 mm, ideal 25-30 mm
  4. Abziehen: Mit Richtlatte gleichmäßig abziehen

Schritt 5: Oberflächenbearbeitung

Je nach gewünschter Optik:

  • Glattputz: Mit Schwammbrett oder Filz abreiben
  • Reibeputz: Mit Reibebrett kreisend strukturieren
  • Kellenstrich: Für rustikale Optik

Schritt 6: Nachbehandlung

Die Aushärtung braucht Zeit und Pflege:

  1. Feucht halten: Erste Tage vor schnellem Austrocknen schützen
  2. Nicht heizen: Keine direkte Wärmequelle
  3. Lüften: Für gute Durchlüftung sorgen
  4. Wartezeit: Mindestens 14 Tage vor dem Streichen

Häufige Fehler vermeiden

Fehler 1: Zu dünne Schichtdicke

Problem: Unter 20 mm reicht die Salzaufnahmekapazität nicht aus.

Lösung: Immer mindestens 20 mm Gesamtdicke aufbringen.

Fehler 2: Falsches Anmischen

Problem: Zu viel Wasser zerstört die Porenstruktur.

Lösung: Exakt nach Herstellerangaben anmischen, im Zweifel etwas weniger Wasser.

Fehler 3: Untergrund nicht vorbereitet

Problem: Putz haftet nicht oder platzt ab.

Lösung: Altputz komplett entfernen, Untergrund gründlich reinigen.

Fehler 4: Diffusionsdichte Beschichtung

Problem: Farbe oder Tapete blockiert die Verdunstung.

Lösung: Nur Silikatfarbe oder Kalkfarbe verwenden, keine Dispersionsfarbe!

Fehler 5: Ursache nicht behoben

Problem: Feuchtigkeit dringt weiter ein, Sanierputz versagt.

Lösung: Erst Horizontalsperre einbauen oder Außenabdichtung herstellen.

Welcher Sanierputz ist der richtige?

Nach WTA-Merkblatt

Das WTA-Merkblatt 2-9 definiert Qualitätsstandards:

KategorieBeschreibungAnwendung
WTAErfüllt alle PrüfkriterienStandard-Sanierung
WTA-HHydrophobiertSpritzwasserbereich
WTA-SFür SulfatbelastungGipshaltige Salze

Produktempfehlungen

Für DIY-Anwender:

  • Einfache Verarbeitung
  • Lange Verarbeitungszeit
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Für starke Salzbelastung:

  • WTA-zertifiziert
  • Hohe Porosität
  • Spezielle Sulfatbeständigkeit

Kosten und Zeitaufwand

Materialkosten pro m²

MaterialMengeKosten
Spritzbewurf3 kg3-5 EUR
Sanierputz28 kg20-35 EUR
Silikatfarbe0,3 l3-5 EUR
Gesamt-26-45 EUR/m²

Zeitaufwand

ArbeitsschrittZeit pro m²Wartezeit
Altputz entfernen30-60 min-
Spritzbewurf10 min1-3 Tage
Sanierputz 1. Lage20 min1-2 Wochen
Sanierputz 2. Lage20 min1-2 Wochen
Streichen10 min-

Vergleich: Selbst vs. Fachbetrieb

VarianteKosten/m²VorteileNachteile
DIY30-50 EURGünstig, flexibelZeitaufwand, Risiko
Fachbetrieb80-150 EURGarantie, schnellHöhere Kosten

Nutzen Sie unseren Sanierungskosten-Rechner, um die Gesamtkosten für Ihr Projekt zu berechnen.

Nach dem Verputzen

Trocknungszeit beachten

  • Vor dem Streichen: Mindestens 14 Tage, besser 4 Wochen
  • Restfeuchte prüfen: CM-Messung oder Folientest
  • Lüften: Täglich stoßlüften für optimale Trocknung

Richtig streichen

Nur diffusionsoffene Anstriche verwenden:

Geeignet:

  • Silikatfarbe (Mineralfarbe)
  • Kalkfarbe
  • Silikonharzfarbe

Ungeeignet:

  • Dispersionsfarbe
  • Latexfarbe
  • Lackfarben

Häufig gestellte Fragen

Nur wenn der Altputz tragfähig, fest und nicht salzbelastet ist. Im Regelfall sollte der Altputz bis auf das Mauerwerk entfernt werden, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Die Mindestdicke beträgt 20 mm, empfohlen werden 25-30 mm. Bei starker Salzbelastung kann auch eine dickere Schicht sinnvoll sein.
Normale Dispersionsfarbe ist nicht diffusionsoffen und blockiert die Verdunstung. Die Feuchtigkeit staut sich dahinter und der Sanierputz kann seine Funktion nicht erfüllen.
Bei korrekter Ausführung und behobener Feuchtigkeitsursache hält Sanierputz 15-30 Jahre. Die Lebensdauer hängt von der Salzbelastung und den Umgebungsbedingungen ab.
Die Mindesttemperatur sollte 5°C nicht unterschreiten - weder bei der Verarbeitung noch während der Trocknungszeit. Im Winter ist eine Kellerverputzung meist möglich, da Kellerräume frostfrei sind.

Fazit: Sanierputz richtig anwenden

Sanierputz ist eine bewährte Lösung für feuchte, salzbelastete Kellerwände - aber nur als Teil einer Gesamtsanierung:

  1. Ursache beheben: Erst Feuchtigkeit stoppen
  2. Untergrund vorbereiten: Altputz komplett entfernen
  3. Richtig verarbeiten: Mindestens 20 mm, in Lagen auftragen
  4. Diffusionsoffen streichen: Nur Silikat- oder Kalkfarbe

Mit der richtigen Vorbereitung und sorgfältiger Verarbeitung können Sie Sanierputz auch als Heimwerker erfolgreich auftragen. Bei Unsicherheiten oder großen Flächen lohnt sich jedoch die Beratung durch einen Fachbetrieb.

Autor

Redaktion

feuchte-keller-sanieren.de

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